Slow Food

Die Entdeckung der Langsamkeit

Slow Food – damit stellt sich eine Bewegung dem Fast Food entgegen. Seinen Ursprung hat die Haltung in Italien, im Piemont. Dort gibt es sogar eine Universität, die sich dem Slow Food widmet.

Wo sonst hätte diese langsame Bewegung beginnen können? Wo sonst, wenn nicht hier, in den langen, sanft ansteigenden Hügeln der Bassa Langa, die man Kilometer um Kilometer durchfährt und dabei von  einem Weinstock zum nächsten kommt, prall leuchtend, voll duftend. Wo sonst, wenn nicht hier, wo die Tajarin al Ragu noch per Hand geschnitten wird, Stück um Stück, und nicht einfach nur durchgepresst und durchgedreht. Wo sonst, wenn nicht hier im Piemont, wo aus mehreren kulinarischen Traditionen das Beste zusammenkommt, hätte eine Bewegung entstehen können, die der Eile und dem Massengeschmack den Kampf angekündigt hätte: die Slow-Food-Bewegung. Nun gut, den Kampf ankündigen, dieses Vokabular passt überhaupt nicht zu Slow Food und Bra, ihrem Geburtszentrum. Bra ist Stadt gewordene Entschleunigung im Piemont, Landschaft gewordene Entschleunigung. Bra, das sind keine zwanzig Minuten bis nach Alba und seinen weltberühmten Trüffeln. Bra, das ist keine halbe Stunde bis nach Barolo und seinem mindestens ebenso berühmten Rotwein. Und ja, Bra, das ist der Ort, in dem im Stadtteil Pollenzo die Slow-Food-Bewegung geboren wurde und von einer einzigartigen Universität begleitet wird: der Università degli Studi di Scienze Gastronomiche (UNISG). Slow Food hat an die 100.000 Mitglieder weltweit, die sich alle dem Grundsatz „buono, pulito e giusto“ verpflichtet haben. Sie wollen Speisen und Getränke, die gut, sauber und auch gerecht erzeugt werden. Und wer nach Bra kommt, dem geht schon das Wort „erzeugt“ in diesem Zusammenhang nur schwer über die Lippen, zu steril, zu maschinell, zu seriell klingt es. Und spricht man mit Piercarlo Grimaldi, Rettore der Universität, dann schmeckt das Wort fast so bitter wie ein Supermarkt-Amaro: „Unsere Bewegung ist eine Bewegung zu uns selbst, zurück zu unserer Identität“, erklärt Grimaldi, Professor für Anthropologie, und fährt fort: „Das ‚buono‘ in unserem Grundsatz meint mehr als nur gutschmeckend. Es ist das Gute, das durchaus auch in einem umfassenderen Sinn gemeint ist und nach dem der Mensch immer strebt.“ Gut essen hat einen doppelten Sinn: gut, im Sinne von schmackhaft und delikat. Und buono im Sinne von moralisch gut – ein schöner Gedanke. Buono bedeutet dann eben auch lento, langsam; denn die Eile, das weiß jeder, der schon einmal Sugo gemacht hat, ist der Feind des guten Geschmacks, der Feind der Qualität. Insofern ist Slow Food vor allem auch ein Synonym für Good Food..

..den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen paradiso.

portraet_Autor

Der Autor, Simon Biallowons, Jg. 1984, ist studierter Philosoph und Absolvent der katholischen Journalistenschule ifp. Er ist Verfasser mehrerer Bücher in den Bereichen Religion und Gesellschaft. Derzeit arbeitet er als Autor und Lektor für den Herder Verlag in München.

 

 

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