Grenzüberwindung

Grenzen schillern – Grenzen überwinden

Schaue ich auf „meine“ Seite, fühle ich mich sicher; schaue ich auf die andere, erkenne ich Neuland.

Auf den ersten Blick scheint es ganz klar – Grenzen unterscheiden, trennen und ordnen: hier und da, drinnen und draußen, wir und ihr.

Andererseits verbinden Grenzen. Sie sind die einzige Verbindungs- oder Berührungslinie zwischen zwei getrennten Bereichen. Das macht das Ab-Grenzen so doppeldeutig: indem ich abgrenze, verbinde ich immer zugleich, schaffe, ob es mir gefällt oder nicht, eine Berührung.

Deshalb können Grenz-Gänge auch das eigene Leben bereichern, denn es kommt darauf an, auf welche Seite ich schaue: schaue ich auf „meine“ Seite, fühle ich mich sicher, bestätigt, verbunden.

Schaue ich auf die „andere“ Seite, erkenne ich Neuland, eher Unbekanntes, Fremdes. Und das heißt immer auch, dass der Blick über Grenzen den Sinn für bisher unbekannte Möglichkeiten erweitern kann, für neue Erfahrungen wie neues Lernen. Allerdings um den Preis zunehmender Unsicherheit, denn ich weiß vorher nie, worauf genau ich mich einlasse.

Insofern bleiben Grenzen und Grenz-Gänge immer schillernd. Ich weiß, auf welcher Seite ich stehe – irgendwie beruhigend. Vor mir, auf der anderen Seite, liegt Neues, Unbekanntes, Fremdes – irgendwie ängstigend.

Grenz-Gänge erfordern daher Mut oder Unterstützung von anderen. Sie erweitern den eigenen Horizont. Und ohne Mut, ohne Grenz-Gänge und ohne Grenz-Überschreitungen würde alles eher immer so bleiben, wie es ist. Deshalb verdienen Grenz-Gänger auch unsere Anerkennung, selbst wenn wir nicht immer alles gut finden, was sie tun.

Von Jürgen Hargens

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