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Licht am Ende des Tunnels

Die Diagnose Depression hat Melanie völlig aus der Bahn geworfen. Sie wollte ihre Krankheit nicht akzeptieren. Besserung kam nur langsam. Vielleicht wird die Krankheit nie ganz weg sein, aber Melanie ist endlich wieder optimistisch. Unsere Chefredakteurin Mirjam Rüscher hat mit Melanie gesprochen, wie die Depression ihr Leben verändert hat und wie sie trotz Krankheit wieder Mut schöpft. 

Ich zweifle manchmal daran, dass ich es jemals schaffen werde, normal zu arbeiten.“ Melanie* sieht traurig aus, während sie das sagt. Furcht flackert für einen Moment in ihren Augen auf. Als sie verschwindet, wirkt Melanie trotzig. Sie will dieses Leben so nicht, sie will nicht so sein. Es haftet ein Makel an ihr, der ihr zutiefst zuwider ist und den sie doch nicht loswird. Als 2012 bei ihr die Diagnose Burnout und Depression gestellt wurde, wollte Melanie das nicht akzeptieren. Sie wollte nicht anerkennen, dass sie unter Depression leidet. Dabei war es schwer für sie, es länger zu ignorieren. Nach Jahren, in denen sie sich immer weiter, weiter vorangetrieben hatte, hatte sie einen Punkt erreicht, an dem es nicht mehr ging. Hämmernde, bohrende Kopfschmerzen, auf einem Auge konnte sie nicht mehr sehen. Die Krankheit, vor der sie so lange weggelaufen war, hatte sie eingeholt. Die Schwäche, der Makel, wie sie es selbst nennt, war nicht mehr zu leugnen. Mit Abwarten und Verkriechen war es nicht mehr getan.

Die Zeit nach dem totalen Zusammenbruch war die schlimmste, auch deshalb, weil sie nicht wusste,
wie sie damit umgehen sollte. „Eine Stunde Autofahren war schon zu viel. Es ging nicht.“ Melanie fühlte
sich bewegungsunfähig, einfachste Entscheidungen wurden zu unlösbaren Aufgaben. „Ich habe beim
Einkaufen plötzlich angefangen zu weinen, weil ich mich nicht für ein Müsli entscheiden konnte. Wenn
das Navi mich gefragt hat, welche Route ich nehmen möchte, konnte ich mich nicht entscheiden. Ich war so dankbar, wenn es dann automatisch eine Route gewählt hat.“ Melanie lacht ein bitteres Lachen.
Und dann diese Müdigkeit, diese unendliche Müdigkeit. Und die Traurigkeit, die Zweifel und immer
wieder das Gefühl zu versagen. Ihr hoher Anspruch an sich selbst, ein Anspruch, den sie nie erfüllen
konnte – das brachte Melanie immer in eine Schleife. „Meine Depression ist mit Ängsten verbunden, mit der Angst zu versagen. Ich habe Angst, das steigert den Stresspegel“, versucht sie es zu beschreiben. Melanie steckte in einem Teufelskreis. 2012 im Frühjahr, da waren Therapie und Medikamente nicht genug, Melanie wies sich selbst in eine Klinik ein. Das erste Mal war sie gezwungen, die Depression, den Makel, zu akzeptieren. An Suizid habe sie nie gedacht, auch nicht in den dunkelsten Stunden, ans Sterben aber schon. „Wenn mich dieses Auto jetzt überfährt, wäre es vielleicht gar nicht so schlimm“, solche Dinge hat sie manchmal gedacht. Passiver Selbstmord sozusagen. Aber das wollte sie ja eigentlich alles gar nicht, so war sie nicht. So ist sie nicht. Melanie wollte immer leben und lachen. „Das ist ja das Schlimme: Ich bin eigentlich ein lebenslustiger Mensch, ich tanze und feiere´und lache.“ Die unbeschreibliche Traurigkeit, die Leere, hat sie einfach weggespült und ferngehalten von anderen.
„Jeglicher sozialer Kontakt war für mich verbunden mit totaler Panik. Arbeiten war unvorstellbar.
Jeder Kontakt mit Menschen hätte bedeutet, dass ich ihnen etwas vorspielen muss, und dazu war ich viel zu kraftlos“, erzählt Melanie. Es gab Zeiten, da habe sie neben sich gestanden. „Ich hatte überhaupt keine emotionale Bindung zu mir.“

..wie Melanie heute ihr Leben meister und was ihr hilft, lesen Sie in der aktuellen paradiso.

Text: Mirjam Rüscher

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Fotos: Pixelio-Jetti Kuhlemann / Lumarin-Photocase.de / Fotolia-Jan Faukner

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