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Träumen in Paris

Papi, tu rêves? Opa, träumst du? – Großvater und Enkeltochter lassen auf einem Streifzug durch Paris die Gedanken kreisen: um früher und heute, um den Terror, die Angst und einfach nur die Schönheit der Stadt.

Ich schieße hoch von der harten, unbequemen Sitzbank auf einer der unzähligen Bateaux Mouches, die täglich Tausende und Abertausende Touristen die Seine entlangschippern. Geschichte pur, die die monumentalen Bauten auf beiden Seiten verströmen. Allez hopp, Papi, wir sind da. Anlegestelle: Le porte du Louvre. Der Trinkhalm meiner Enkelin Freia hat mich wachgekitzelt. „Du bist mir ein Schöner“, lacht sie, „ich will dir …“, sie fasst mich bei der Hand, zieht mich mit sich auf den Ponton und die Treppen hoch. Dort oben, am Kai, wo sich Bücherstand an Bücherstand reiht, verschnaufe ich ein wenig. Sie erklärt mir unterdessen, dass ich eine der schönsten Bauwerke auf der Île de la Cité, Notre Dame,  schlichtweg verschlafen hätte, natürlich auch den wunderbaren Pont Alexandre III und … Die Aufzählung all meiner Versäumnisse geht so rasend schnell, dass ich abwinke. Später. Mein Blick ist auf die  imposante Fassade des Louvre gerichtet. Achthundert Meter soll sie lang sein, das Museum die bedeutendsten Kunstschätze der Welt im Inneren bergen und zugleich das größte und älteste Museum
der Welt sein. Mein andächtiges Schweigen ist nur von kurzer Dauer. Schon geht es weiter, wir queren die Rue de Rivoli, wo Napoleon Bonaparte in seinen jungen Jahren gewohnt hat, und durcheilen den  prächtigen Jardin des Tuileries. Die Augen können sich nicht sattsehen an der üppigen Blumenpracht in diesem spät-frühlingshaften Sonnenlicht. „Eine kleine Pause auf einer der vielen Bänke sei mir gegönnt, liebe Freia. Ich muss die Eindrücke sacken lassen“. Ich schließe die Augen. „Papi, träumst du?“ Dieser kleine Quälgeist. Ich erzähle ihr, dass ich in Gedanken den jungen Ernest Hemingway Mitte der Zwanziger-Jahre des vorigen Jahrhunderts auf seinen täglichen Spaziergängen
durch den Jardin du Luxembourg ganz in der Nähe begleitet und ihn in der Closerie des Lilas bei seinen
täglichen Schreibbemühungen über die Schulter geschaut hätte, der lieb gewonnene Café crème immer
dabei, manchmal, nach gelungener Arbeit, konnten es auch schon einige Drinks sein. Hier oder auch im
Speiselokal Michaud hätte er sich unter anderem mit den späteren Literaturgrößen Ezra Pound und James Joyce getroffen. „Hemingway? Das ist doch … Der alte Mann und das Meer. Haben wir … Ach, viel weiß ich nicht mehr. Komm, wir haben noch einiges vor.“ Mit diesen energischen Worten holt mich Freia in die Wirklichkeit zurück.

..den gesamten Text finden Sie in der aktuellen Ausgabe von paradiso.

 

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Text: Karl-Heinz Groth

Bilder: Pixello-Rudis-Fotoseite.de / Pixello-Fabio Sommaruga / Fotolia-Tristanbm

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