Achilles

Achilles und die Schildkröte

Wie ein mathematisches Paradoxon zur Entschleunigung beiträgt

Achilles war ein ­legen­­­dä­rer Langstreckenläufer im antiken Griechenland, der das Pech hatte, seinen wichtigsten Lauf ausgerechnet gegen eine Schildkröte zu verlieren. Schuld daran war der Philosoph Zenon von Elea, der sich den kuriosen Wettlauf ausdachte und als mathematisches Paradox aufschrieb – stattgefunden hat er natürlich nie.

Achilles sollte der Schildkröte einen Vorsprung geben und dann versuchen, diesen Vorsprung einzuholen. Und genau das, behauptete Zenon, könne Achilles nicht schaffen – trotz seiner sprichwörtlichen Schnelligkeit.

Denn wann immer er den Vorsprung der Schildkröte wettgemacht hätte, wäre sie ja bereits wieder ein paar Schritte weiter gekommen – und so fort. Theoretisch holt er sie also niemals ein, die Etappen werden nur immer kleiner. Praktisch allerdings bräuchte Achilles nur beherzt einen großen Schritt zu tun, um die Schildkröte weit hinter sich zu lassen.

Doch eine derart prosaische Sicht der Dinge zerstört natürlich das Gleichnis – und so darf die Schildkröte bis heute ihren aussichtlosen, paradoxen Kampf gewinnen: Wenn das keine Entschleunigung ist!

Text von Klaus Merhof, Illustration von Sönke Lund

«
»

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht *