Leo Pröstler

Baumpflanzer – Leo Pröstler

Wie man Geschäftserfolg und Umweltschutz verbinden kann.

Der weißhaarige Mann sitzt in der Heckklappe seines Mietwagens und wickelt sich ein großes, rotes Tuch um den Kopf – alle lachen, weil Leo Pröstler jetzt aussieht wie ein Beduine mitZahnschmerzen. Doch es ist keine Blödelei, die der Unternehmer hier betreibt. Denn wo er uns jetzt hinführt, gibt es keinen Schatten. Nicht ein Baum, der vor der erbarmungslos brennenden Tropensonne im Grenzgebiet zwischen Costa Rica und Nicaragua schützen könnte.

Der 68-Jährige Pröstler ist Umweltschützer und Geschäftsmann zugleich. Mit seinem Unternehmen BaumInvest betreibt er seit vielen Jahren ökologische Waldaufforstung in Costa Rica. BaumInvest bietet Firmen wie Privatpersonen die Möglichkeit, in die Pflanzung neuer Bäume zu investieren und im Gegenzug sowohl eine Rendite aus dem Verkauf der edlen Hölzer als auch international anerkannte CO2-Zertifikate zu erhalten. Das Kohlendioxid (CO2) gilt als Hauptverursacher des Klimawandels. Bäume können helfen, denn sie binden in ihrem Holz das schädliche Klimagas.

Stefan Pröstler kümmert sich vor Ort um den Fortgang der Projekte
Stefan Pröstler kümmert sich vor Ort um den Fortgang der Projekte

Wir gehen gemeinsam eine steile Schotterpiste hinauf, Pröstler mit seinem roten Turban voran, dicht gefolgt vom Vorarbeiter der Aufforstungsfläche. Als wir die Kuppe erreichen, können wir rings um uns herum nichts als trockenen, aufgewühlten Boden erkennen. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir jedoch in regelmäßigen Abständen zarte, leuchtend grüne Setzlinge. Es sind junge, gerade erst gepflanzte Bäumchen tropischer Arten. Am Fuße eines Hanges zeigt ihm der Vorarbeiter dann die Arbeiter, eine Gruppe von etwa einem Dutzend meist nicaraguanischer Männer. Sie kommen aus dem ärmeren Nachbarland, um hier erst als Pflanzer, später als Waldarbeiter gutes Geld zu verdienen.

Zunächst wird der Boden mit schwerem Gerät umgegraben; außerdem müssen Zugangswege und Straßen zu den Aufforstungsflächen gebaut werden. Erst dann rücken die Arbeiter mit Schaufel, einem speziellen Hydrogel und den Baumsetzlingen an. Deren Wurzelballen sind solange in Plastikfolie verpackt, um die Feuchtigkeit für den jungen Baum zu halten. Beim Auspflanzen wird die Folie entfernt und der Setzling in ein Loch gegeben, in das zuvor das Hydrogel gefüllt wurde. Es gibt das Wasser nur langsam ab, so dass der Baum für längere Zeit auch bei Trockenheit immer etwas Feuchtigkeit an den Wurzeln behält.

Bald schon wachsen auf den Flächen, die brach lagen oder auf denen zuvor oft nur Monokultur-Plantagen für Bananen, Palmöl oder Ananas standen, Teak, Almendro und andere kostbare Tropenhölzer. Am Rand dieser Aufforstungsflächen gibt es ursprünglich aussehende Waldstücke. Auch sind kleine Waldinseln mitten in den leer geräumten Flächen verteilt. Pröstler: „Da kann die Natur machen, was sie will und sich so eine gewisse Vielfalt erhalten, bis der Wald drum herum wieder da ist.“ Wie auf Zuruf gleitet wenige Meter von uns entfernt ein großer bunter Tukan zwischen den alten Bäumen und Lianen vorbei und verschwindet im Dickicht.

Doch Pröstler ist alles andere als ein Romantiker. Der Entrepreneur mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der erfolgreichen Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie studierte ursprünglich einmal Eisenhüttenkunde und vertrieb weltweit Stahlwerke, bis er sich Ende der 1970er Jahre radikal neu orientierte. 1987 gründete er den Umweltversand Waschbär. Seit dessen Verkauf 2001 ist Leo Pröstler Geschäftsführer der Querdenker GmbH, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, nachhaltige Projekte und Produkte zu entwickeln und zu vermarkten, allen voran die drei BaumInvest-Fonds. Viele große deutsche Unternehmen haben bereits bei BaumInvest investiert und dafür gesorgt, dass die ersten Fonds seit einigen Jahren geschlossen sind. Das heißt, dass jeweils genügend Geld für ein Projekt zusammengekommen ist und damit die Bäume gepflanzt werden konnten.

Von Bäumen noch ungeschützt ist der Boden der Erosion freigegeben.
Von Bäumen noch ungeschützt ist der Boden der Erosion freigegeben.

Auf der Finca San Rafael kennt der enthusiastische Geschäftsmann fast jeden Baum persönlich. Die Bäume sind wie seine Schützlinge, er weiß genau, wie sich der Bestand entwickelt. Vor einigen kleinen Gebäuden steht eine Reihe gesunder, hoher Bäume. Pröstler ruft:„Ich möchte nochmal eben nach den Bäumen der Familie Ritter schauen!“ Als einem der ersten Investoren hat er den Mitgliedern der Schokoladenfabrikanten-Familie jeweils einen Baum geschenkt, den sie hier bei einem Besuch eigenhändig eingepflanzt haben; jedes Familienmitglied durfte sich eine eigene Baumart aussuchen.

Auf einer anderen Aufforstungsfläche schaut Pröstler für den Outdoor-Ausrüster Globetrotter nach dem Stand der Dinge. Das Unternehmen war einer der ersten und ist einer der größten Investoren bei BaumInvest. Es sieht gut aus. Der Investor hat hier neue Pflanzungen ermöglicht. Kräftige Wurzeln halten den Boden fest, die Kronen spenden bereits Schatten. Trotzdem ist der Mann mit dem roten Turban überrascht. Er zeigt auf zwei Bäume derselben Pflanzung, die unterschiedlich aussehen und fragt: „Warum wächst der eine Baum schnurgerade und der andere bleibt kleiner und krumm?“

Die Antwort weiß bestimmt sein Sohn Stefan. Er lebt in Costa Rica und kennt die Bedingungen für die einzelnen Pflanzflächen wie seine Westentasche. Stefan Pröstler leitet PuroVerde Paraiso Forestal S.A. – die Firma, die für BaumInvest die Aufforstungen und deren Pflege betreibt und darüber hinaus viele Projekte mit den Wäldern initiiert hat. Das neueste Projekt und die Nachfolgerin der BaumInvest Fonds ist die Puro Verde Genossenschaft. Die Puro Verde eG baut im Schatten der größeren Bäume inzwischen Ingwer, Ananas, Bananen, Kakao oder Maniok an. Verbraucher in Deutschland schließen sich dabei mit Erzeugern in Costa Rica zusammen, um gemeinsam hochwertige Produkte aus Permakultur und Waldfeldbau mit finanzieller Rendite und einer sozial-ökologischen Wirkung herzustellen und zu vermarkten. Der Verkauf der Produkte aus diesem Waldfeldbau bringt den Menschen vor Ort zusätzlichen Gewinn.

Text und Fotos von Philipp Reiss

Gute Stimmung: Die Mitarbeiter von PuroVerde sind Mitglieder in einer Kooperative.
Gute Stimmung: Die Mitarbeiter von PuroVerde sind Mitglieder in einer Kooperative.

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