Kloster Lüne

Das Salz in der Erde

840 Jahre klösterliches Leben inmitten der alten Salzstadt. Seine wertvollen Teppiche und Stickereien zeigt Kloster Lüne in einem Textilmuseum.

Ein Besuch im Kloster Lüne wirkt wie eine farbenprächtige Zeitreise. Wer die Anlage des geschichtsträchtigen Ortes mit seinen zahlreichen Kunstschätzen betritt, fühlt sich sofort von der besonderen Atmosphäre inspiriert.

Ehrwürdige Fassade: Im 14. Jahrhundert  wurde das Kloster neu aufgebaut.
Ehrwürdige Fassade: Im 14. Jahrhundert
wurde das Kloster neu aufgebaut.

Um 1170 gründete eine kleine Gruppe frommer Frauen um Hildeswidis von Markboldestorp eine Klostergemeinschaft und begann um 1172 den Bau der Klosteranlage. 100 Jahre später ist belegt, dass der Konvent nach der Regel des heiligen Benedikt lebte. Nach zwei Bränden 1240 und 1372 wurde das Kloster in Backstein neu errichtet und in den folgenden Jahrhunderten erweitert. Gegen die Einführung der lutherischen Reformation im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg wehrte sich die Klostergemeinschaft vehement. Erst 1562 wurde die erste evangelische Äbtissin gewählt. Seitdem lebt in Lüne ein evange­lischer Konvent, in einer Glaubens-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft nach Klosterordnungen der jeweiligen Landesherren.

Der Klosterhof ist von drei Seiten mit Backsteinbauten umgeben. Auf der vierten Seite bildet das rosafarbige spätbarocke Gästehaus einen spannungsreichen Kontrast zu den roten Backsteinen. Über den Klosterhof gelangt der Besucher zur großen Brunnenhalle mit dem gotischen Brunnen. Seit 600 Jahren fließt dort das Wasser eines nahegelegenen Teiches in eine große bronzene Schale. In den bis heute fast unverändert erhaltenen historischen Räumen erwarten den Besucher zahlreiche wertvolle Kunstschätze. Viel Facettenreiches ist in den Führungen über die Ausstattung des Klosters mit seinem Kreuzgang, Buntglasfenstern aus dem 14. Jahrhundert, dem Refektorium mit den Seccomalereien, dem Sarggang oder die zum Teil in nachreformatorischer Zeit ausgemalten ehemaligen Nonnenzellen zu erfahren. Einen weiteren Höhepunkt stellt der Anblick des Nonnenchores mit einem kostbaren Beweinungsbild von Lucas Cranach d. Ä. dar.

Im 1995 erbauten Museum für textile Kunstschätze, das durch einen Laubengang mit der Anlage verbunden ist, werden Kostbarkeiten aus sechs Jahrhunderten für die Zukunft bewahrt. Dort sind Altar- und Fastentücher in Leinenstickerei aus dem 13. und 14. Jahrhundert zu sehen, sowie großformatige, farbige Bildteppiche und Banklaken im „Klosterstich“, um 1500 von den Benediktinerinnen im Kloster gestickt. Auch die einzigartigen Prozessionsfahnen in Temperamalerei werden präsentiert.

Jedes Detail des bedeutenden Ortes zeugt davon, dass das Kloster Lüne zu den großartigsten und ältesten Sehenswürdigkeiten der historischen Salz- und Hansestadt Lüneburg zählt. Jährlich erleben mehr als 15 000 Besucher Vorträge über theologische, historische und kunstgeschichtliche Inhalte. Daneben finden auch zahlreiche Veranstaltungen verschiedenster kultureller wie philosophischer und gesellschaftspolitischer Art statt.

Text und Fotos von Carola Faber

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