Ronald Westphal

Der Mann, der den Boden liebt

Ronald Westphal beackert Deutschlands beste Scholle.

Gut zwei Meter groß, weizenblondes Haar, stahlblaue Augen – der Mann fällt auf. Ronald Westphal ist Landwirt in der Magdeburger Börde. Dert hat er mit knapp 4000 Hektar die meiste Erde an den Füßen. Wenn der 56-Jährige mit seinem Geländewagen über das Land fährt, das er als Geschäftsführer der Firma Agro Bördegrün bewirtschaftet, vergeht keine Minute, in der die Lichthupe nicht zum Grüßen betätigt wird. „Der da vorne hat seine Lehre bei mir gemacht. Ein guter Mann, hab ich übernommen“, sagt Ronald Westphal. In seinem Revier kennt er sich aus, das kleine Dorf Niederndodeleben in Sachsen-Anhalt hat er mitgeprägt. „Das Schwimmbad gehört zu uns“, heißt es dann. Und außerdem der Supermarkt, der Kindergarten und die Tankstelle. An jeder Ecke sind die Firmenfarben grün und gelb zu erkennen. Die eigentliche Werbefigur aber heißt Ronald Westphal.

Dabei stammt er gar nicht aus dem Landstrich, an den er sein Herz verloren hat. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Harz, hatte ihn ein Praktikum im Rahmen seines Studiums zum Diplom-Agrarwirt nach Niederndodeleben geführt. In der damaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) lernte er seine Frau Birgit kennen. „Sie hatte Angst, dass ich wieder auf den Hof meiner Eltern gehe“, erzählt der Landwirt. Doch Westphal blieb, wo er war, hier arbeitete er sich zum Brigadeleiter hoch. “Ich war zu DDR-Zeiten immer ein guter Praktiker, aber nie ein guter Kommunist”, sagt er und lässt sein dröhnenden Lachen ertönen. So stellte sich der November 1989 for Ronald Westphal als wahrer Glücksmoment heraus. Kurz nach dem Mauerfall in Berlin wurde er als kommissarischer Leiter der LPG eingesetzt, im Februar 1990 wählten ihn 97 Prozent der Genossenschaft ins Amt. „Das hat mich bestätigt “, freut sich Westphal noch heute.

Mit den neuen Möglichkeiten kamen allerdings auch die Probleme. Viele zu DDR-Zeiten zwangsenteignete Bauern bekamen ihr Land zurück. Im Zentrum des Geschehens: Ronald Westphal, der den Spatenstich für die Zukunft setzte und sich um die Abwicklung kümmerte. 1992 wurde die Agro Bördegrün gegründet. Das Unternehmen hat heute rund 70 Mitarbeiter und 12 Auszubildende. „Ich bin ein Wendegewinner“, sagt Westphal nicht ohne Stolz.

Für einen landwirtschaftlichen Betrieb bietet die Gegend um Niederndodeleben beste Voraussetzungen. Der durchschnittliche Bodenwert der Schwarzerde in der Magdeburger Börde – hauptsächlich eiszeitlich angewehter Lössboden – liegt bei 82. Diese Zi er gibt an, wie ertragreich die Erde sein kann. „Zwischen eins und 20 gilt der Boden als Kiesfeld“, erläutert Westphal. Mit Bodenwerten unter 50 ließe sich bei guter Wasserversorgung etwas ernten und „ab 50 macht’s Spaß“, sagt er lachend. Denn diese Landstücke kommen auch mit weniger Wasser aus. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 62. Doch ein guter Bodenwert allein bringt noch keine gute Ernte. „Wenn er nicht gut behandelt wird, straft er das direkt ab“, hat Westphal erfahren. Erst mit der Zugabe von Wasser und Nährstoffen wird der Boden ertragreich.

Kein Wunder also, dass er von „seinen“ Böden wie von einem Kind spricht, das umsorgt werden muss. Besonders stolz ist Ronald Westphal auf die 100er Bodenstücke. „Hier vorne nah der Straße zum Beispiel“, erklärt der Landwirt bei der Durchfahrt mit dem Auto. Für das Laien-Auge kaum erkennbar, weiß der Profi sofort, wie der Acker beschaffen ist: Der Weizen steht besonders dicht und hoch. Diese gute Ausgangslage – mehr als 100 kann man im Ranking nicht erreichen – bringt Ronald Westphal Wettbewerbsvorteile ein.

Gefühl, Instinkt und das Streben nach vorn – diese Eigenschaften haben den leidenschaft- lichen Landwirt dahin gebracht, wo er heute steht. Über 740 Verpächter lassen ihr Land durch Agro Bördegrün bewirtschaften. Auf den Feldern wachsen Zuckerrüben, Mais, Raps und vor allem Weizen. „Die Böden sind meine Lebensader“, sagt Ronald Westphal. Monokulturen lehnt er ab, Fruchtfolgen sind wichtig. Die Arbeitsweise ist konventionell und effizient, alles ist auf Ertrag gepolt.

Vor einigen Jahren hat Ronald Westphal die regenerativen Energien für sich entdeckt. Biodiesel aus Raps war 2000 der erste Schritt. „Meine Geschäftspartner haben ungläubig ge- guckt, als ich damit um die Ecke gekommen bin.“ Ahnung vom Geschäft habe er anfangs nicht gehabt, nur die Idee. Der Rest kam durchs Machen. Der Raps war ja sowieso schon da, wie Ronald Westphal lachend erklärt. Aus dem Treibstoff-Geschäft hat er sich inzwischen zurückgezogen; heute setzt er auf Photovoltaik und als Mitgesellschafter auf drei große Biogas-Anlagen, die einen Teil von Sachsen-Anhalt mit Energie versorgen. Eine Hack-Holzschnitzel-Heizung mit Brennmaterial aus eigenem Anbau vervollständigt das Portfolio.

Doch eines darf für den erfolgreichen Geschäftsmann nicht fehlen: die Verankerung in der Gesellschaft. Mit Erlösen aus Spendenaktionen, Benefiz-Veranstaltungen oder einfach so unterstützt die Agro Bördegrün zahlreiche soziale Einrichtungen in der Umgebung. Westphals Devise heisst: „Die es zu was gebracht haben, müssen sich engagieren, sonst macht es doch keiner.

Text und Fotos von Bianca Schwingenheuer

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