Haut

Die Haut als Spiegelbild der Psyche

Wie arbeitet das größte menschliche Organ? Und was sagt unser Hautbild über unseren Gemütszustand aus? paradiso fragte den Dermatologen Dr. Peter Weisenseel.

Was genau ist die Haut, und wie ist sie aufgebaut?

Dr. Peter Weisenseel: Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Sie umgibt uns als schützende Hülle, und durch sie stehen wir mit unserer Umwelt in Kontakt. Sie besteht aus verschiedenen Schichten, die je nach Körperregion unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Die äußerste Schicht ist die Oberhaut (Epidermis). Ihre Zellen werden innerhalb von zirka 30 Tagen einmal komplett ausgetauscht. Dabei werden die alten Zellen als feinste Schuppung abgestoßen. Die Oberhaut ist mit der darunter liegenden Lederhaut (Dermis) eng verzahnt. Unter der Dermis ist das Unterhautfettgewebe, das als Wärmeschutz und Polsterung dient. Sehr feine und empfindliche Haut haben wir zum Beispiel an den Augenlidern, die dickste und stabilste Haut am Rücken.

Welche Funktionen hat die Haut? Wie wichtig ist sie?

Ohne Haut können wir nicht leben. Sie schützt uns vor äußeren Einflüssen – zum Beispiel vor Hitze, Kälte, Trockenheit und Sonnenstrahlen,  und sie dient der Keimabwehr. Die Haut ist aber auch für den Kontakt mit unserer Umwelt von größter Bedeutung. Durch sie nehmen wir fortlaufend Informationen auf und senden auch Informationen zum Beispiel über unseren Körpergeruch und die Beschaffenheit, die etwas über Alter und Gesundheit aussagen kann.

Wie schnell reagiert Haut? Wie lange braucht sie zum Beispiel, um Flüssigkeiten aufzunehmen?

Die Haut kann Fett in gewissem Umfang von außen aufnehmen. Wasser wird nicht gut aufgenommen, obwohl die Haut oberflächlich etwas aufquellen kann. Dieser Effekt ist aber nur von kurzer Dauer. Trinken können wir nicht durch die Haut, ebenso wenig können wir durch übermäßig viel Trinken unsere Haut grundsätzlich feuchter machen.

Wie viel Feuchtigkeit speichert die Haut und wozu?

Dies ist individuell sehr verschieden. Die Elastizität und Geschmeidigkeit wird nur zu einem Teil durch die Feuchtigkeit bestimmt, zum anderen durch die Funktion und Struktur von Kollagenfasern, elastischen Fasern, Unterhautfettgewebe etc. Wichtig ist auch die Fähigkeit, hauteigene Fette zu produzieren, die unsere Haut vor Wasserverlust schützen. Patienten mit Neurodermitis haben oft eine erhöhte Durchlässigkeit der Oberhaut, was einen etwas erhöhten Feuchtigkeitsverlust durch die Haut bedingt.

Was nimmt die Haut noch alles auf? Auch Stoffe aus der Kleidung?

Die Haut kann Substanzen in einer fetthaltigen Grundlage relativ gut aufnehmen, wenn die Moleküle klein genug sind. Viele Substanzen bleiben aber nur an der Oberfläche, ohne „aufgenommen“ zu werden, wie zum Beispiel Düfte oder Make-up. Andere Substanzen verursachen nur vorübergehende Veränderungen der Hornschicht (zum Beispiel Selbstbräuner), ohne in tiefere Hautschichten vorzudringen.

Wie wichtig sind Wasser und Pflege?

Prinzipiell benötigt die Haut relativ wenig Reinigung. Seife kann in der Regel auf die geruchsintensiven Körperregionen beschränkt werden, um den übrigen Säureschutzmantel zu schonen. Um Make-up oder andere zusätzlich aufgebrachten Substanzen zu entfernen, sollten alkoholfreie Reinigungsmittel verwendet werden.

Es gibt verschiedene Ansätze, der eine besagt, dass man trockene Haut mit fettreicher Creme behandeln soll, der andere, dass man trockene Haut – überspitzt gesagt – in Ruhe lassen soll. Ist an beiden etwas dran? Was ist besser?

Trockene Haut benötigt etwas mehr Fett. Im Winter benötigt jeder Hauttyp etwas mehr Fett als im Sommer. Zu trockene Haut ist leichter gereizt, kann sich entzünden und jucken. Das Gerücht, die Haut stelle die eigene Talgproduktion ein, wenn sie zu häufig eingecremt wird, stimmt so nicht. Aber die Haut kann auch „überpflegt“ werden, gerät dann zeitweise aus dem Gleichgewicht.

Man sagt, die Haut ist das Spiegelbild der Persönlichkeit, des Befindens. Stimmt das? Haben Einflüsse auf die Haut auch Einwirkungen auf die Befindlichkeit des Menschen?

Haut und Psyche hängen in der Tat eng zusammen. Wenn wir zum Beispiel besonders glücklich oder frisch verliebt sind, strahlt unsere Haut. Im Gegenzug sieht man unserer Haut ungünstige Einflüsse wie Schlafmangel, jahrelanges Rauchen oder schlechte Ernährung meist auch an. Hautkrankheiten können sich wiederum negativ auf die menschliche Psyche auswirken. So leiden Patienten mit Schuppenflechte häufiger an Depressionen.

Wie kann sich denn das Verliebtsein auf die Haut auswirken?

Durch die Hormone, sie haben einen Einfluss auf unsere Haut. Stresshormone haben einen negativen, Glückshormone – die ja auch beim Verliebtsein ausgeschüttet werden – eher einen positiven Einfluss. Dies ist aber streng wissenschaftlich nicht klar zu beweisen.Weisenseel

Das Interview führte Mirjam Rüscher mit Dr. Peter Weisenseel, Facharzt für Dermatologie und Allergologie am Dermatologikum Hamburg.

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