Erinnerungen an eine Kindheit

Erinnerungen an eine Kindheit – Teil 2

In Teil zwei von zwei blicken Vater und Sohn  zurück auf ihre gemeinsam erlebte Zeit, die Kindheit und Jugend des Sohnes. Beide betrachten dieselben Jahre, den Zeitraum 1995 bis 2014, und doch sind es die Blicke zweier Menschen auf einen unterschiedlich erlebten Lebensabschnitt. Der Sohn, jetzt 20 Jahre alt, erinnert sich an seine Kindheit und Jugend. Daneben steht der Blick des Vaters auf diese Zeit, in der sein Sohn herangewachsen ist. Vorweg ist eines sicher: Die empfundene Dauer derselben Zeit ist fundamental unterschiedlich.

Der Sohn: Christian van BürkSohn

Die ersten zwanzig Jahre meines Lebens, Kindheit und Jugend, liegen für mich in der unmittelbaren Vergangenheit. Die Erinnerungen an diese Zeit sind von unterschiedlichster Natur und reichen von schleierhaft im Gedächtnis gebliebenen Augenblicken aus meiner frühen Kindheit, meist durch später im Fotoalbum betrachtete Bilder aufgefrischt, bis hin zum gestern erst Erlebten. Durch diese Vielzahl an lebendigen Eindrücken zieht sich stetig das Verhältnis zu meinem Vater.

Die ersten intensiven Erinnerungen aus meiner Kindheit reichen zurück in eine Zeit, in der mein Vater mich auf Streifzüge durch die Wälder um unseren damaligen Wohnort herum mit-nimmt, häufig trägt er mich noch auf seinen Schultern, und mir dort versteckte Fuchs- und Dachsbauten zeigt. Als ich schließlich selber laufen kann, werden diese Streifzüge immer weiter und ausgiebiger, und mein Vater erklärt mir stolz alles, was es in der Natur um uns herum zu entdecken gibt. Ich staune damals über jeden Vogel und lerne so recht früh die Besonderheiten unserer ländlichen Umgebung kennen.

Ein sonniger Nachmittag an der Schlei ist mir noch sehr deutlich im Gedächtnis geblieben: Mein Vater und ich haben unseren eigenen Drachen gebastelt, jetzt liegen wir auf der Wiese unseres Nachbarn und lassen den Drachen im frischen Wind steigen. Diese Erinnerung muss aus meiner Kindergartenzeit stammen, und doch ist mir dieses Gefühl von gemeinsamer Freude und geteiltem Spaß noch sehr präsent.

Sobald ich das Fahrradfahren gelernt habe, sind wir häufig zusammen auf unseren Rädern durch die Wiesen und Wälder Angelns unterwegs und entdecken mit der Zeit unsere Lieblingsplätze an Flüssen oder in kleinen Waldstreifen, die wir häufiger besuchen. Zum Beispiel ein bewohnter Adlerhorst in einem kleinen Waldstückchen, nicht weit von unserem Heimatdorf entfernt, zieht uns immer wie-der an, und hin und wieder gelingt es uns tatsächlich, aus der Ferne ein erwachsenes Tier bei seinen Jungen zu beobachten.Erinnerungen an eine Kindheit

Ich kann mich noch gut an so manche Abende in der hellen Jahreszeit erinnern, an denen mein Vater von der Arbeit nach Hause kommt und wir vor dem Abendessen noch ein, zwei Stunden durch die Landschaft an der Schlei radeln. Als wir dann an einem Wochenende im Sommer neben einer alten Eisenbahnbrücke zelten, die wir auf einer unserer Touren entdeckt haben, und in der Dämmerung am Lagerfeuer sitzen, ist das für mich – wahrscheinlich für uns beide – ein wunderbares Abenteuer.

Und noch etwas verbindet meinen Vater und mich seit meiner frühen Kindheit: Der Spaß am gemeinsamen Reisen. Unsere ersten sogenannten „Männertouren“ im kleinen Wohnmobil einer Be-kannten führen uns durch Norddeutschland und bald auf die dänischen Ostsee-Inseln. Je älter ich werde, desto weiter werden diese Touren: Wir reisen mit Auto und Zelt durch Schweden, besuchen Prag, fahren durch Schottland, machen Urlaub auf Madeira. In meinem siebzehnten Lebensjahr steht dann vorerst mit drei Wochen USA der Höhepunkt unserer gemeinsamen Reisen an. Wir sind viel auf der Straße, legen weite Strecken an der Westküste zurück und hören dabei Musik. Ein wahrer Vater-Sohn-Roadtrip. Im Sommer 2014, direkt nach meinem Abitur, legen wir noch einmal nach und reisen sechs Wochen durch Kanada. Wie-der ist das Autofahren und gemeinsame Musik-Hören zentraler Bestandteil der Reise. So bringt mein Vater mich auf den Geschmack, hin und wieder Billy Joel oder Bob Dylan zu hören, bei ihm stehen da-für nun eine FooFighters- und eine Coldplay-CD im Regal.IErinnerungen an eine Kindheit

In den letzten Jahren, vor allem in meinem Abschlussjahr an der Schule, bürgert sich noch eine weitere Komponente unserer Vater-Sohn-Beziehung ein: Gelegentlich kochen wir abends gemeinsam und sehen anschließend Filme oder Serien. So komme ich in den Genuss einiger Klassiker wie beispielsweise „Die Brücken am Fluss“, mein Vater verliebt sich in „Breaking Bad“, und innerhalb weniger Wochen haben wir alle Staffeln verschlungen.Wenn ich an meine ersten zwanzig Lebensjahre zurückdenke, bleiben mir viele schöne und wertvolle Erinnerungen, die meine Kindheit und Jugend durchziehen und die mich dankbar machen für das Erlebte und Geteilte, das meinen Vater und mich verbindet. Ich bin sehr froh und glücklich über die Zeit, die wir zusammen verbringen konnten

Von Christian van Bürk

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