Kloster Nütschau

Kartoffelpuffer und Zeit zur Besinnung

„Ora et labora“ – Arbeite und bete: Zehn Jugendliche probten das Leben im Kloster Nütschau.

Blauer Dunst liegt in der Luft. Der Rauchmelder piept unaufhörlich und in der Küche wird es hektisch: Die selbstgemachten Kartoffelpuffer wollen nicht das gleiche wie Rieke und Monika. Sie brennen an. Die beiden Mädchen kochen gerade das Mittagessen für die anderen, die zum Mittagsgebet gegangen sind. Ora et labora – bete und arbeite – lautet das Motto für die Jugendlichen im Kloster Nütschau. Zeit für Besinnung und Gott.

Egal ob Semesterferien, Herbstferien, Urlaub oder die Suche nach dem nächsten Schritt im Leben, eines vereint die zehn Jugendlichen aus ganz Deutschland: Sie nehmen sich für Ora et labora eine Woche Zeit im Kloster, statt zu Hause ihre Freizeit zu genießen. Fragt man, warum sie das tun, geben fast alle die gleiche Antwort: „Wir wollen Gott nah sein und die Ruhe im Kloster genießen.“ Diese Zeit sei außerdem die beste Pause, denn trotz Arbeit habe man zu Hause den Kopf immer voll mit anderen Dingen und könne nicht so abschalten wie im Kloster.

Als die anderen vom Mittagsgebet zurückkommen, übernimmt Bruder Johannes, Mönch im Kloster, die Pfannen. Innerhalb kürzester Zeit kehrt wieder Ruhe ein. Der Rauchmelder hat ein Einsehen und hält sich mit den Warnsignalen zurück und dank geöffneter Fenster fällt auch das Atmen wieder leichter. Zusammen geht eben alles einfacher. „Hier lässt niemand den anderen hängen, egal um was es geht“, erklärt Bruder Johannes, der die Jugend-lichen gemeinsam mit Bruder Lukas durch die Woche begleitet.

Gemeinsames Erleben: Jugendliche bei der Apfelernte im Kloster Nütschau.
Gemeinsames Erleben: Jugendliche bei der Apfelernte im Kloster Nütschau.

Der Tag ist durchgetaktet. Um 6.30 Uhr Morgengebet, um 7.30 Uhr Frühstück. Dann folgen Bibel- und Gartenarbeit. Um 11.45 Uhr läuten die Glocken zum Mittagsgebet,  während ein Teil der Gruppe das Mittagessen vorbereitet. Ab 13 Uhr ist eine Stunde Mittagszeit. Danach weitere Arbeiten draußen oder drinnen. Kaffee und Kuchen, Abendgebet, Freizeit und um 21 Uhr das Nachtgebet runden den Tag ab. „Hier habe ich Zeit, mich Gott zu widmen, was ich im Alltag oft nicht schaffe“, sagt Alice van Almsick, die gerade die Fugen auf dem Gelände des Klosters von Unkraut befreit.

Von Erschöpfung kann nach einer Woche Kloster nicht die Rede sein. Trotz wenig Schlaf und viel Arbeit – die die Jugendlichen allerdings kaum als Arbeit empfinden – fühlen sie sich frisch, entspannt und sind ihrem Erwachsenenglauben möglicherweise ein Stück näher gekommen. Denn die meisten von ihnen stehen genau auf dieser Kippe, beginnen zu zweifeln und haben viele Fragen, weil sie ihrem Kindglauben entwachsen sind. Auch dafür eignet sich so eine Woche in der Abgeschiedenheit eines Klosters.

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