Ratgeber

„Kommt ein Mensch an das Himmelstor …“

Zum kritischen Umgang mit Ratgebern und To-Do-Listen

Es klingt wie ein platter Witz: „Kommt ein Mensch an das Himmelstor…“ So ähnlich muss sich Richard Horne die Frage gestellt haben, was er wohl bis zu diesem Zusammentreffen mit Petrus getan haben sollte, um sagen zu können: Ich habe gelebt. Jedenfalls hat Horne daraus ein Buch gemacht. „101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist“.

Manches kommt dem Leser recht praktisch vor: mit bloßen Händen einen Fisch gefangen, die 100 besten Bücher gelesen (bloß welche?) oder ohne Streichhölzer Feuer gemacht zu haben, das klingt vernünftig. Aber was habe ich davon, schon mal auf der Datumsgrenze gestanden zu haben? Oder warum soll es im Himmel Bonuspunkte bringen, schon mal Lokalverbot bekommen, in einem Drei-Sterne-Restaurant die Zeche geprellt oder das Kamasutra in die Praxis umgesetzt zu haben? Okay, vielleicht ließe sich das wenigstens wieder aufwiegen, wenn ich auch angeben könnte, jemandem das Leben gerettet zu haben?

Nun zählt das Buch nicht nur auf, was man alles erlebt oder getan haben sollte, um am Himmelstor zu bestehen. Horne gibt zu jedem einzelnen Hinweis auch noch Tipps zur Planung, Vorbereitung und Ausführung. Damit passt es in die Reihe der Veröffentlichungen desselben Autors, deren Titel mit „101 Dinge“ beginnen. Etwa „101 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du alt und langweilig bist“. Es drängt sich der Eindruck auf, Horne habe es sich zur Aufgabe gemacht, 101 nutzlose Bücher zu veröffentlichen. Doch Bücher wie „101 Dinge, die Sie sich sparen können“ oder „101 Dinge, die man übers Kochen wissen muss“ müssen nicht vom selben Autor stammen. Vielleicht schreiben Sie selbst das Buch: „101 Dinge, die ich an dir liebe“?

Richard Horne setzt auf die Marotte zahlreicher Menschen, die ihrem Leben mit To-Do-Listen eine Struktur, wenn nicht sogar Sinn geben wollen. Zu seinen Vorgaben gehört „Riskier was“, „Sei kreativ“ oder „Spring über deinen Schatten“. Soweit, so gut. Aber „101 Dinge…“ fügt sich ein in die Reihe der Nonsense-Bücher, die sich als Mitbringsel eignen, aber nicht zum Lesen. Schenken Sie es jemandem, der über diesen speziellen Humor verfügt. Oder jemandem, den Sie nicht mögen.

Von Michael Eberstein

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