Kloster

Mönch auf Zeit

Das österreichische Benediktiner-Kloster Admont lädt junge Menschen ein, eine Woche als Mönch zu leben. Wer das nicht will, findet noch viele andere Möglichkeiten, in Admont einzukehren. Dazu muss man weder katholisch sein noch mit dem Gedanken spielen, tatsächlich ein monastisches Leben führen zu wollen. Es genügt, auf der Suche zu sein.

Klausur. Privater Bereich. Bitte nicht betreten. Das liest, wer vor der kunstvoll gearbeiteten schmiedeeisernen Pforte im Inneren von Kloster Admont steht. Der prächtige Eingangsbereich bildet den für Unbefugte gesperrten Zugang zu den „Zellen“ der Mönche. Von hier gelangen die Männer mit den langen, schwarzen Gewändern, dem Habit,  zur Chorkapelle, zu ihrem Speiseraum, dem Refektorium und dem Kapitelsaal, in dem sie sich treffen, um über wirtschaftliche und andere Belange des Kloster zu diskutieren und in demokratischer Weise darüber abzustimmen.

Die Vorstellung vom monastischen Leben hinter dicken Mauern ist häufig von Legenden, Vorurteilen bis hin zur schroffen Ablehnung bestimmt. Nur wenige junge Frauen und Männer entscheiden sich heute in Westeuropa, in ein christliches Kloster zu gehen und ein Gott ergebenes Leben nach strengen Regeln zu führen.

Benediktinerorden,  Der Benediktinerorden gilt gemeinhin als ältester Orden des westlichen Ordenslebens. Bezeichnend sind die Grundsätze des Ordens, die neben der Ordensregel (Regula Benedicti) alles enthalten, was den Benediktinerorden auszeichnet: „Ora et labora et lege“  (lateinisch: „Bete und  arbeite und lies“).
Benediktinerorden,
Der Benediktinerorden gilt gemeinhin als ältester Orden des westlichen Ordenslebens.
Bezeichnend sind die Grundsätze des Ordens, die neben der Ordensregel (Regula Benedicti) alles enthalten, was den Benediktinerorden auszeichnet: „Ora et labora et lege“
(lateinisch: „Bete und
arbeite und lies“).

Anderseits faszinieren Klöster als Bauten, strahlen sie Ruhe und reiche Tradition aus, ihre Gärten und sonstigen Anlagen werden als Kultureinrichtungen gesehen und geschätzt. Doch ein Kloster ist kein Museum, sondern ein lebendiger Ort. Mönche sind ebenso wenig gestrige, weltfremde Sonderlinge, wie sie religiöse Eiferer sind. Es sind sehr geerdete, oft moderne, aufgeschlossene, aber auch fromme Männer, deren Rat und Gespräch nicht zuletzt von Managern und anderen beruflich sehr beanspruchten Menschen gesucht wird.

Pater Jeremias klappt sein iPad auf, um nachzuschauen, welche Angebote Kloster Admont in den kommenden Monaten für am Klosterleben Interessierte anbietet. Der rundliche, freundlich und offen wirkende 46-Jährige  hat „Kafranamum“ gegründet, das Geistliche Zentrum von Admont. Anfang des Jahres wurde es  als eigener Trakt im Kloster eröffnet. „Wir hatten viele Anfragen von Menschen, die im Kloster eine Auszeit nehmen wollten. Eine mit geistlicher Begleitung, mit Gesprächen und hin und wieder auch mit  therapeutischen Möglichkeiten“. Eines will das Benediktiner-Stift nicht anbieten: Urlaub im Kloster. „Unser Angebot hat auch nichts mit Wellness zu tun“, betont Pater Jeremias. Der Mönch und Priester mit eigener Pfarrei außerhalb des Klosters ist auch Lehrer am Stiftsgymnasium und Psychologe.

„Herr öffne meine Lippen…“, so beginnt jedes Stundengebet der Benediktiner. Früh morgens treffen sich die 26 Admonter Mönche in ihrer Chorkapelle. Rechts und links des kleinen sakralen Raumes steht das schlichte aus hellem, hartem Holz gearbeitete Chorgestühl. Nach und nach betreten die Mönche die Kapelle, nehmen ihre festgelegten Plätze ein, schlagen im Stundenbuch der Benediktiner die für den aktuellen Tag und die Stunde vorgeschriebenen Psalmentexte auf. Pünktlich um 6.15 Uhr gibt der Abt, als Vorsteher des Klosters, mit einem leichten, aber vernehmbaren Klopfen das Zeichen für den Beginn von Nokturn und Laudes, den Frühgebeten.

Die Mönche beginnen nach einer genau festgelegten Ordnung die Psalmen, Lobpreisungen, Lesungen und Gebete mit einem gleichmäßigen Gesang vorzutragen. Wer durch falschen Einsatz, verkehrten Text oder andere Patzer den gregorianischen Gesang ins Stocken bringt, schlägt sich reuevoll an die Brust. Ordensgründer Benedikt von Nursia (um 480 bis 547)   hatte in seinen   Regeln (Regula Benedicti) drastischere Strafen für die Falschsinger festgelegt. Doch in den letzten 1500 Jahren hat sich auch bei den traditionsbewussten Benediktinern einiges geändert. Nicht aber ihre Grundsätze. Zu denen gehören auch die Gebetszeiten. Nach  Nokturn und Laudes  folgt um 12.15 Uhr die Mittagshore, um 17.45 Uhr die Vesper, um 18.45 Uhr die Komplet. Morgens wird noch erwartet, dass die Mönche nach dem Frühgebet die Heilige Messe zelebrieren. Die eine halbe Stunde dauernden Gesänge und Lesungen sind eines der Geheimnisse, die dem klösterlichen Leben die Ordnung, Stille und Gelassenheit geben, die zunehmend fasziniert – vor allem Menschen, die  ihren Alltag als unstrukturiert, gehetzt und ohne Sinn empfinden.

Admont ist auch einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte.
Admont ist auch einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte.

Leben nach den Regeln des heiligen Benedikt bedeutet, als Mönch dem Gebot „Ora et labora et lege“ (bete, arbeite und lese) Folge zu leisten. Der Ordensgründer hielt Müßiggang für aller Laster Anfang und verderblich für den Menschen, wenn er keine Arbeit hat, keine Aufgabe, die dem Allgemeinwohl dient.

Für die Mönche in Admont heißt das, als Lehrer im Stiftsgymnasium, als Wissenschaftler in dem Museum oder als Priester in einem der 25 Pastorate, die dem Kloster zugeordnet sind, seelsorgerisch tätig zu sein. Darüber ­hinaus hat jeder Mönch kleinere oder größere Pflichten für die Klostergemeinschaft zu erledigen. Zum Beispiel den Tischdienst zu den jeweiligen Speisezeiten.

Der „Mönch auf Zeit“ ist davon befreit. Junge Männer zwischen 16 bis 36 Jahren sind für acht Tage  eingeladen, den Tagesablauf der Mönche mitzuerleben. Ein bisher einmaliges Angebot im deutschsprachigen Raum. „Nein, das ist kein Rekrutierungsprogramm, um neue Mönche zu gewinnen“, betont Pater Jeremias. Es wendet sich an junge Männer (Frauen sind in der Klausur eines Männer-Klosters nicht zugelassen), die „suchend sind“. Atheisten oder Nicht-Katholiken sind ihm „sehr willkommen“. Die Altersbeschränkung soll auch Anfragen von Männern vorbeugen, die sich nach gescheiterter Ehe, in der Midlifecrisis oder im Pensionsalter in ein klösterliches Leben als Problemlösung hinein träumen.

Kloster Admont sperrt sich aber nicht grundsätzlich gegen Anfragen. So können im geistlichen Zentrum Kafarnaum –  mit seinen sehr ansprechenden Gewölbe-Zimmern –  auch Paare wohnen, seelsorgerische oder psychologische Gespräche führen, den spirituellen Geist des Klosters erfahren,  seine parkartigen  Gartenanlagen, sein  Museum und die Kloster-Weine genießen.

Ausgezeichnet mit dem renommierten österreichischen  Museumspreis, präsentiert das vor einigen Jahren renovierte, mit modernster Technik ausgestattete  Ausstellungshaus international beachtete Schauen mit Kunst der Gegenwart. Bekannt ist das Museum mit seinem gelungenen architektonischen Mix aus Barock und Moderne auch für seine Naturkundliche Sammlung und für die Klosterbibliothek. Sie gilt als  eines der großen Gesamtkunstwerke des europäischen Spätbarocks. „Das Achte Weltwunder“, so wurde die Admonter Bibliothek, vielleicht etwas enthusiastisch, aber durchaus berechtigt, schon seit dem frühen 19. Jahrhundert bezeichnet.

Mit Pater Winfried hat Admont einen Mönch, dessen gute Verbindungen zu zeitgenössischen Künstlern und internationalen Museen wesentlich für die Reputation und den Erfolg des Kloster-Museums sind. Der Geistliche betreut nicht nur die Kunst, sondern auch den Frauenberg, der ebenfalls zum Kloster gehört und einer der bedeutendsten Marien-Wallsfahrtsorte Österreichs ist. Ein Ort der Frömmigkeit – einer, an dem man beobachten kann, wie aktuell für viele Menschen immer noch der ­christliche Glaube ist. „Hierher kommen aber auch sehr viele, die lange Zeit keine Kirche betreten haben, die einfach auf der Suche sind“, weiß Pater Winfried. „Wir fragen nicht, welche Konfession jemand hat. Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt, sind offen für Gespräche“, beschreibt der freundliche 48-Jährige die Haltung der Mönche im Kloster Admont. Vielleicht ist deshalb der Zuspruch so groß.

Von Michael Stitz

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