Wanderer III

Tagebuch aus dem Paradies (II)

Seit mehr als 25 Jahren lebt Thies Matzen (57) mit seiner schwedischen Frau Kicki Ericson auf einem Segelschiff und läuft einsame Inseln an. Ihre Gedanken halten beide in einem Tagebuch fest.

Das Wundern bewahren

Sonntag, 8. März 2009 Husvik, Südgeorgien

Gott hätte nur ein paar bessere Ankerplätze schaffen können, „wäre so leicht gewesen“, denke ich über  Südgeorgiens Seekarte gebeugt. Vielleicht erscheinen sie ja noch, nach dem Schmelzen der Gletscher. Aber da er es bislang nicht getan hat, hängen wir hier in Husviks Bucht – immer noch.

Gott, sagt Kicki, denn sie liest augenblicklich über ihn, habe der Mensch immer wieder verwandelt. Der Mensch habe sich Gott in seinen jeweiligen Antworten geschaffen.

Die Fragen zum Sein zu stellen, auch im Stillen, ohne Antworten zu erwarten, das ist Mensch-Sein.

„Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest“, dichtet Rainer Maria Rilke, der einzige Gedichtbeginn, den Kicki immer wieder zitieren kann, neben Nerudas „Der Brunnen“.  Sich das Wundern bewahren, es nicht zu sezieren, es nicht in Einzelteile zerlegen, als Gesamtes sehen. Fragen? Ja! Aber ihre Antworten sind unerheblich.

Doch so häufig in unserer materialistischen Welt zielt unsere Unterhaltung darauf ab, die Formulierung, das Kristallisieren von Fragen zu verhindern. Ich weiß nicht, warum ich mich gerade jetzt in der letzten Zeit so viel mit diesen Fragen auseinandersetze. Wir haben in den letzten Jahren viel Zeit allein verbracht, in starken Gegenden, in denen diese Fragen stärker durchdringen.

Vielleicht ist es das …

Tagebuch-Eintrag von Thies Matzen

«
»

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht *