Farn

Vom Zauber der Farne

Wie ein Pädagogik-Professor bei der Jagd nach neuen Farn-Arten Entspannung findet

Er ist Professor auf Lebenszeit, was wörtlich zu nehmen ist. Denn mit seinen 71 Jahren hat Prof. Dr. Peter Struck zwar längst das Rentenalter erreicht, doch ans Aufhören denkt der bundesweit bekannte Erziehungswissenschaftler nicht. Schreibt wie eh und je für Zeitungen, lehnt kein Interview ab, reist von Vortrag zu Vortrag – um zu vermitteln, was eine gute Schule ausmacht. Allein im vorigen Jahr legte er für die Fahrten zu den Vorträgen 110 000 Kilometer zurück, erzählt der Pädagogik-Professor, der ohne seinen Beruf nicht leben könnte und auch das quirlige Leben im Hamburger Studentenviertel am Grindel wie die Luft zum Atmen braucht. Stress bereite ihm das nicht, betont  Struck, die ganze Arbeit mache ihm immer noch Spaß.

Im Hamburger Grindel ist  der Erziehungswissenschaftler zu Hause. Will er dem pulsierenden Studenten-Viertel und  seiner Arbeit entkommen, macht er sich auf, um irgendwo auf der Welt unbekannte Farne zu suchen.
Im Hamburger Grindel ist der Erziehungswissenschaftler zu Hause. Will er dem pulsierenden Studenten-Viertel und
seiner Arbeit entkommen, macht er sich auf, um irgendwo auf der Welt unbekannte Farne zu suchen.

Doch plötzlich ist sie da, die Sehnsucht nach Ruhe und Stille, nach einer Leere, die den Kopf freimacht – frei für ein ungewöhnliches Abenteuer: Der Jagd nach Farnen, die noch niemand kennt. In vielen Ländern war er schon unterwegs, um die ältesten Pflanzen der Welt aufzuspüren. Dann ist der Professor ein anderer Mensch, wandert stundenlang durch Landschaften, in denen man keinem einzigen Menschen begegnet. Robbt über karge Böden oder zieht sich eine Wathose an, um einen tiefen Wassergraben zu überwinden – immer auf der Suche nach den unscheinbaren Schätzen.

Der Professor, ein einsamer Verrückter, könnte man denken, was selbst Struck mit einem Lächeln bestätigt. Aber es steckt mehr dahinter, die Pflanze allein ist es nicht – „Ich brauche das als Gegengewicht zu meinen Vorträgen.“

Farne zählen zu den ­ältesten Pflanzen auf der Erde, sind vermutlich älter als ­Samenpflanzen. Vor etwa 400 Millionen Jahren waren Farne so groß wie Bäume, zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapp-Pflanzen bildeten sie riesige Wälder. Das war die Grundlage für die Stein­kohle-Vorkommen. Farne kommen auf der ganzen Welt vor, wachsen überwiegend an schattigen und feuchten Plätzen, unter anderem in Felsspalten und Mauerritzen. Das Auffälligste an den Pflanzen: Sie haben keine Blüten, sondern vermehren sich durch Sporen. Diese sitzen auf der Unterseite der Farnwedel. Weltweit gibt es, so ­Professor Struck, ­noch etwa  20 000 Arten.
Farne zählen zu den ­ältesten Pflanzen auf der Erde, sind vermutlich älter als ­Samenpflanzen. Vor etwa 400 Millionen Jahren waren Farne so groß wie Bäume, zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapp-Pflanzen bildeten sie riesige Wälder. Das war die Grundlage für die Stein­kohle-Vorkommen. Farne kommen auf der ganzen Welt vor, wachsen überwiegend an schattigen und feuchten Plätzen, unter anderem in Felsspalten und Mauerritzen. Das Auffälligste an den Pflanzen: Sie haben keine Blüten, sondern vermehren sich durch Sporen. Diese sitzen auf der Unterseite der Farnwedel. Weltweit gibt es, so ­Professor Struck, ­noch etwa
20 000 Arten.

Dass ihm die Natur und insbesondere die Farne viel geben können, stellte Struck schon als 16-jähriger Gymnasiast fest. Während einer Klassenfahrt auf Sylt sah er in einer Heidefläche bei Braderup eine unbekannte Pflanze, die keine Blüten hatte, sondern Sporen. „Ich war schon immer biologisch interessiert, kannte alle Pflanzen auf Sylt. Doch die war unbekannt, das hat mich fasziniert.“

Neugierig geworden, recherchierte der junge Struck in einem Bestimmungsbuch für Pflanzen. Das Ergebnis: Es war ein Farn, ein Exemplar von Botrychium lunaria – eine Mondraute. Sie entfachte in dem Schüler eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte, ihm in der Welt der Botaniker sogar zu Berühmtheit verhalf.  Machte er doch auf Island eine sensationelle Entdeckung: ­Eine unbekannte Mondrauten-Art, wie die Iowa State University feststellte. Kurzum benannte die englische Farn-Zeitschrift „Pteridologist“ diese Neuentdeckung nach Peter Struck: Botrychium lunaria forma -struckii. In Wissenschafts-­Kreisen gilt das als große Auszeichnung.

Island wie auch Grönland sind mit den Jahren die zweite Heimat des Professors geworden, wenngleich er auch in vielen anderen Ländern Farne aufspürte und sie in seinem Herbarium in Hamburg für die Nachwelt aufbewahrt. 5000 Bögen mit getrockneten Pflanzen sind es inzwischen und zu jeder weiß Struck eine Geschichte. Es sind Geschichten einer fremden Welt, weit weg von Hamburg und den Lehrerseminaren. Geschichten, die Struck in seinem Studenten-Café um die Ecke nur selten erzählt. Wer will schon etwas über Mondrauten wissen? Doch die Erlebnisse bei der aufregenden Jagd nach ihnen und wie ein Vielbeschäftigter dadurch seine Entspannung findet, für Tage alles andere beiseiteschieben kann – das könnte Hörsäle füllen.

Text von Dieter Brumm

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